Büchermonate Oktober/November

Diesmal gibt es zwei Monate zusammen, weil sich der Beitrag sonst kaum gelohnt hätte. Im Oktober hat sich bei meinen Büchern fast nichts getan – weder beim Lesen noch bei den Neuzugängen. Im November war wieder etwas mehr los, aber seht selbst.


Neuzugänge

Kakuzo Okakura – Das Buch vom Teedas-buch-vom-tee
Dieses kleine, 1906 erstmals erschienene Büchlein widmet sich auf poetische Art der japanischen Kultur und der Kunst der Teezeremonie. Im Herbst und Winter mutiere ich immer zum Teetrinker, da fand ich das Buch eine schöne Ergänzung. Es passt auch gut zu dem Tee-Adventskalender, den ich dieses Jahr als „vorgezogenen Nikolaus“ bekommen habe: einen handverpackten aus der kleinen Teehandlung in der Dresdner Neustadt.


Jean-Luc Bannalec – Bretonisches Goldbretonisches-gold

Der dritte Fall für Komissar Dupin. Nachdem ich im August „Bretonische Verhältnisse“ und im September „Bretonische Brandung“ gelesen habe, wartet jetzt der nächste Teil der Reihe in meinem Regal darauf, gelesen zu werden. (Besser gesagt: Ich bin schon mittendrin. :-))

 

Duke Meyer – Das Lied der Eibedas-lied-der-eibe
Den Autor dieses Buches kennt man wahrscheinlich am ehesten durch seine Band „Die Singvøgel“ oder durch seine Seite „Eibensang“, einer kreativen Mischung aus Blog, Eigenmarketing und wissenswertem Allerlei rund um nordisches Heidentum, Runen und Asatru. Nun hat er ein Buch zum Thema Runen geschrieben, und da ich seine etwas unkonventionelle, chaotisch-kreative Herangehensweise ganz gern mag, habe ich es mir zugelegt. Ich habe schon von mehreren Seiten gehört, dass es ziemlich gut sein soll und bin sehr gespannt.


Klaus Düwel – Runenkunderunenkunde

Als Ergänzung zum obigen Werk habe ich mir noch ein wenig Fachliteratur gegönnt. Um Klaus Düwels „Runenkunde“ bin ich sowieso schon länger herumgeschlichten. Zwar dürfte das Buch, da es 2008 zuletzt aktualisiert wurde, nicht hundertprozentig auf dem aktuellen Stand sein, aber sicher reicht es völlig als solide Grundlage.

 

Neil Gaiman – Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgardder_laechelnde_odd
Bei diesem Buch handelt es sich um eine Erzählung für Kinder, aber das hat mich nicht davon abgehalten, es gleich am Tag des Einkaufs in einem Rutsch durchzulesen (siehe unten).

 

 


Gelesen

Maarten’t Hart – Das Wüten der ganzen Weltdas-wuten-der-ganzen-welt
Die Hauptfigur dieses Buches wächst Mitte der fünfziger Jahre als Sohn eines Lumpenhändlers in einer holländischen Fischerstadt auf. Als zwölfjähriges Kind wird er Zeuge eines Mordes, was ihn den Rest der Geschichte bis weit ins Erwachsenenalter verfolgt, denn er will – aus dem Gefühlh heraus, erst dann Ruhe finden zu können – den Vorfall selbst aufklären. Dennoch ist die Erzählung kein klassicher Krimi und schon gar kein Psychothriller. Vielmehr ist sie eine Rückschau auf die Kindheit des Protagonisten, auf seine Bekanntschaften, sein Erwachsenwerden, seine Liebe zur Musik – und eben auf seine immer wiederkehrende Beschäftigung mit dem Mord, der vor so vielen Jahren geschah. Das alles verpackt der Autor in schnörkellose, klare Worte, die einen irgendwie immer weiter lesen lassen.


Samuel Benchetrit – Rimbaud und die Dinge des HerzensRimbaud_und_die_Dinge_des_Herzens

Charlys Mutter wurde von der Polizei abgeholt. Nun wandert er auf der Suche nach ihr einen Tag lang durch seinen Wohnort, eine Pariser Hochhaussiedlung. Dabei erzählt er dem Leser aus seinem Leben: von seinem drogenabhängigen Bruder und seiner hart arbeitenden, immer hinter ihren Kindern stehenden Mutter, von der Schule, seinen Freunden und von dem Mädchen, in das er verliebt ist. Er hängt seinen Gedanken nach, philosophiert, scherzt, sorgt sich, schöpft wieder Hoffnung,… Man schließt ihn im Laufe der Geschichte einfach ins Herz und möchte am Ende nur noch wissen: Was ist denn nun mit Charlys Mutter? Wird er sie wiedersehen?


Alfred Andersch – Sansibar oder der letzte GrundSansibar oder der letzte Grund.jpg

Im Herbst 1937 treffen in Rerik mehrere Personen aufeinander, die eins gemeinsam haben: Sie wollen weg aus Deutschland. Da wären eine Jüdin, ein Pfarrer, ein Parteifunktionär (alle drei auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, hier nur „die Anderen“ genannt), ein Fischer, sein Schiffsjunge und eine Skulptur, die von den Anderen aus dem Verkehr gezogen werden soll.
Das kleine Büchlein ist schnell gelesen. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der verschiedenen Protagonisten erzählt, wobei ihre Ängste und Hoffnungen sehr nachfühlbar werden. Eine nicht unbedeutende Rolle bei der Enstehung des Buches dürften die persönlichen Erlebnisse des Autors gespielt haben, denn er war Mitglied der KPD und wurde von den Nationalsozialisten verhaftet und verhört, diente im Zweiten Weltkrieg, desertierte 1944 und war Kriegsgefangener in den USA, bevor er 1945 nach Deutschland zurückkehrte.


Neil Gaiman – Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgardder_laechelnde_odd

Der Wikingerjunge Odd war schon immer ein kleiner Sonderling – erst recht seit dem Tod seines Vaters. Immer trägt er ein nervtötendes Lächeln zur Schau und lässt niemanden wissen, wie es wirklich in ihm aussieht.
Eines Tages – während eines Winters, der einfach kein Ende nehmen will – begegnen ihm im Wald ein Adler, ein Bär und ein Fuchs. Die drei gehören eigentlich gar nicht in diese Welt, denn sie sind Götter Asgards – keine geringeren als Odin, Thor und Loki persönlich. Und sie haben ein gewaltiges Problem, denn Asgard wurde von einem Eisriesen eingenommen. Also macht Odd sich auf, den Riesen zu vertreiben, damit es in der Welt der Menschen wieder Frühling werden kann.
Ich fand das Buch sehr niedlich. Odd ist mir gleich ans Herz gewachsen und die Charaktere der Götter fand ich ziemlich treffend beschrieben (jedenfalls stelle ich sie mir so ähnlich vor). Besonders Lokis Ambivalenz wird wunderbar deutlich. Die Zeichnungen auf einzelnen Seiten ergänzen die Geschichte sehr schön – davon hätte ich mir mehr gewünscht!
Manche Leser bemängeln die fehlende Spannung und kritisieren, dass Odd seine Aufgabe viel zu problemlos löst, aber da muss man vielleicht nochmal betonen, dass es sich um ein Kinderbuch handelt. Und gerade auf dem Gebiet des Heidentums ist es wirklich schwer, so ein gut erzähltes, nicht vor Licht und Liebe schier überlaufendes Buch zu finden!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Bücher.

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