Scarlet Pimpernel – Oper Chemnitz

Letzten Samstag war ich im Opernhaus Chemnitz bei dem Musical Scarlet Pimpernel (hier: Das scharlachrote Siegel). Ich kenne das Stück schon aus Halle, wo es seine deutsche Erstaufführung hatte und großartig besetzt war. Chris Murray spielte damals den Bösewicht und avancierte mit seiner kraftvollen, dunklen Stimme schnell zu einem meiner Lieblingssänger.

Scarlet Pimpernel basiert auf dem gleichnamigen Roman von Baroness Emma Orczy und wurde von Frank Wildhorn (komponierte auch Jekyll & Hyde) und Nan Knighton als Musical adaptiert. Es spielt in England und Frankreich zur Zeit der Französischen Revolution. Der englische Adlige Sir Percival Blakeney verliebt sich in Paris in die Künstlerin Marguerite St. Just und heiratet sie schon nach wenigen Wochen. Sie begleitet ihn zurück nach England, doch das Glück der beiden wird bald getrübt. Percy erfährt, dass seine Frau einen französischen Adligen an die Guillotine ausgeliefert hat und verliert das Vertrauen in sie. Er beschließt, ab jetzt ein Doppelleben zu führen und in Frankreich unter dem Siegel der scharlachroten Pimpernelle möglichst viele Adlige vor der Hinrichtung zu retten. Um jeglichen Verdacht im Keim zu ersticken, legt er sich in England das Image eines modeverrückten, naiven Schnösels zu. Sein größter Gegenspieler ist Bürger Chauvelin, der fanatisch Jagd auf den Scarlet Pimpernel macht und gleichzeitg versucht, Marguerite zurückzugewinnen, mit der er einst eine kurze Liaison hatte.

Die Inszenierung am Opernhaus Chemnitz fand ich sehr gelungen. Das Stück ist witzig, flott, manchmal klamaukig und an keiner Stelle langatmig. Auf eine große Portion Kitsch muss man sich einstellen. (Chemnitz hat meiner Meinung nach im Vergleich zu Halle noch eine Schippe Kitsch draufgelegt.) In jedem Fall bietet das Musical eine eingängige Melodie nach der anderen. Wer hier nicht mit mindestens einem Ohrwurm nach Hause geht, ist selber schuld.

Die Besetzung hat mir sehr gut gefallen. Bis in die Nebenrollen hinein waren die Figuren glaubwürdig und stimmlich solide. Besonders der Darsteller von Percy, Veit Schäfermeier, hat mich schwer beeindruckt. Zwar hat er mich stimmlich nicht weiter überrascht (eine helle, junge Musicalstimme – in den Balladen sanft und ausgesprochen angenehm zu hören, für den Wow-Effekt fehlte mir allerdings das gewisse Etwas), doch seine Präsenz auf der Bühne war der Wahnsinn. Er spielt unheimlich sympathisch, glaubwürdig und steht völlig mühelos im Mittelpunkt. Es macht extrem Spaß ihm zuzuschauen, seine Energie reißt einen mit. Neben seiner eigenen Partie schien er ganz nebenbei auch die aller anderen im Blick zu haben und überhaupt schien er die gesamte Aufführung von Szene zu Szene zu tragen. Ganz zu schweigen von seinem komödiantischen Talent – da saß einfach jede Pointe.

Marguerite (Stefanie Köhm) war ebenfalls sehr gut gespielt und wunderbar gesungen. Da gibts absolut nichts zu meckern. Man kauft ihr die Rolle hundertprozentig ab und hört ihr gern zu.

Von Alexander Franzen als Chauvelin war ich nicht so restlos begeistert. Er hat zwar eine sehr passende, knurrig-raue Stimme und spielt recht überzeugend, wirkte jedoch gesanglich immer etwas bemüht. Hatte er keinen guten Tag? In den Kritiken wird er sonst sehr gelobt! Ich fand leider, dass er trotz (oder gerade wegen?) seines vielen Herumtigerns und der großen Gestik die Bühne nie ganz ausfüllen konnte – besonders im ersten Teil. Nach der Pause wurde es etwas besser. Auch sein Timing beim Singen gefiel mir nicht so recht. Hätte er öfter auf den Dirigenten schauen müssen oder zählte das unter „künstlerische Freiheit“? Ich weiß es nicht, aber ich fand es irritierend. Im Zusammenspiel mit Schäfermeier wiederum – in den rasanten Dialogen und Fechtszenen – klappte alles auf den Punkt. Die beiden haben schon in Bielefeld gemeinsam auf der Bühne gestanden und bilden auch diesmal ein gutes Team.

Insgesamt ein sehr sehenswertes Musical. Ich werde es mir wenn möglich noch einmal anschauen – mindestens 😉

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Musik.

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