Merry Meet

Nachdem ich aus Versehen einen Entwurf veröffentlicht hatte, gibt es hier nochmal den vollständigen Post mit Foto:

Drei Jahre, drei Einladungen – und diesmal hat es endlich geklappt: Ich war beim alljährlichen Treffen eines Dresdener Wicca-Covens und seiner Freunde, beim „Merry Meet“.

Dieses Treffen hat inzwischen Tradition. Eingeladen sind neben den Mitgliedern des Covens nur befreundete Hexen und Heiden aus ganz Deutschland, die Teilnehmerzahl ist auf 25-30 begrenzt. Vier Tage lang werden Workshops abgehalten und Rituale gefeiert, es wird gequatscht, gesungen und gegessen, man lernt neue Leute kennen und trifft alte Bekannte wieder.
Die Covenmitglieder kenne ich vom Dresdner Hexen- und Heiden-Stammtisch. Als ich dann vor zwei Jahren meine erste Einladung zum Merry Meet bekam, war ich sehr gerührt. Leider konnte ich es damals und im Jahr darauf nicht einrichten, dabei zu sein. Umso mehr freute ich mich, als es dieses Jahr in den Kalender passte.

Anreise war donnerstags. Ich fuhr gemeinsam mit drei anderen Dresdenern mit dem Zug nach Johanngeorgenstadt im Erzgebirge, wo die Organisatoren eine Jugendherberge gemietet hatten.

Jugendheim_Farbmuehle

Am ersten Abend war außer der allgemeinen Anreise, der Dekoration des Tempelraumes und Vorbereitungen für den nächsten Tag nichts weiter geplant. Ich suchte mir ein Zimmer mit ein paar Teilnehmern der ruhigeren Sorte und machte meinen Rote Bete-Apfel-Salat für unser Buffet am Freitag. Dann ging ich pünktlich ins Bett, weil ich noch mit einer abklingenden Erkältung zu tun hatte.

Am Freitag hatte ich früh erstmal einen Tiefpunkt. Das Haus war verdammt kalt und ich fühlte mich immernoch recht angeschlagen. Die Aussicht auf die bevorstehenden vier Stunden Programm, bei denen ich nicht wusste, was mich genau erwartet, machte es nicht besser. Ich überlegte ernsthaft, meine Sachen zu packen und mich lieber zu Hause auszukurieren. Dann beschloss ich aber doch, es wenigstens zu probieren.
Pünktlich um zehn trafen wir uns alle im wunderschön dekorierten Tempelraum. Dieses Jahr stand das Treffen ganz im Zeichen der germanischen Kultur. Auf dem Altar lagen Blumen, Steine, Holz, Knochen und Federn, die Wände waren mit einfarbigen Tüchern verhangen, hinter dem Altar hing ein Tuch mit dem Symbol für Thors Hammer. Auf dem Boden lagen Stäbe, die einen Kreis bildeten und in die je eine der 24 Runen des älteren Futharks geritzt war.
Zunächst gab es eine kurze Belehrung zum Verhalten im Haus (Mülltrennung, Ordnung, Zeitplan,… das Übliche) und eine Vorstellungstunde. Dann begann das Hauptritual des Wochenendes. Die Covenmitglieder schlossen den Runenkreis, indem sie die nach außen zeigenden Stäbe um 90° drehten und trugen kurze Ausschnitte aus der Edda vor. Einer davon leitete den nächsten Programmpunkt ein: Spiele zu Ehren der Götter. Wir teilten uns in fünf Gruppen auf, jede Gruppe wurde einer mythologischen Figur zugeordnet (bei meinem Team war es der Gott Loki) und musste dann zu Ehren dieser Figur mehrere Wettbewerbe gegen die anderen Teams bestreiten: Hammerweitwurf, Bogenschießen, Apfel auf dem Kopf balancieren, kleine Bernsteine aus einer Schüssel voller Gerstenkörner heraussuchen, ein Gedicht in altnordischer Sprache möglichst überzeugend vortragen,… Wir hatten im wahrsten Sinne des Wortes einen Heidenspaß, aber es dauerte auch bis nachmittags um drei, alle Wettbewerbe abzuarbeiten. Danach wurde endlich das große Buffet eröffnet und wir schlugen uns kräftig die Bäuche voll.
Später am Tag besuchte ich noch einen Einführungskurs zum Thema Runen. Die Runen sind mir zwar nicht völlig neu, aber ich lernte trotzdem noch einiges dazu.

Der erste Programmpunkt am Samstag war ein druidisches Ritual, ausgearbeitet und geleitet von einer Gruppe aus Karlsruhe. Zentrales Element war eine geführte Meditation, bei der man in die Rolle der Sagengestalt Taliesin schlüpfte, der als kleiner Junge verbotenerweise vom Zaubertrank der Göttin Cerridwen trinkt und daraufhin von ihr verfolgt wird. Für mich war diese Fantasiereise etwas zu eindringlich, auch wenn die Geschichte gut ausgeht. Nach dem Ritual musste ich erstmal ein Stück in der Sonne spazieren gehen, um runterzukommen. Auf die restlichen Angebote des Tages (schamanisches Singen und ein Runenzauber) verzichtete ich sicherheitshalber. Aber ich saß am Abend noch lange mit ein paar Leuten beisammen und hatte viele sehr interessante Gespräche.

Am Sonntag standen nur noch Aufräumen und Putzen auf dem Programm. Beim Verabschieden floss die eine oder andere Träne und auch ich hatte manche der Teilnehmer schon richtig ins Herz geschlossen. Auf dem Rückweg nach Dresden merkte ich erst richtig, wie müde ich war und dass die Erkältung mich immernoch ganz schön im Griff hatte. Trotzdem war ich froh, nicht früher nach Hause gefahren zu sein, denn das Treffen war eine tolle, wenn auch anstrengende, Erfahrung.

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