Ár nDraíocht Féin

Ich habs getan: Ab jetzt bin ich offizielles Mitglied von Ár nDraíocht Féin (ADF).

ADF ist eine druidische Gemeinschaft mit Sitz in den USA. In Deutschland gibt es bisher nur sehr wenige Mitglieder, aber dank aktueller Bestrebungen, in Zukunft auch Materialien und Ansprechpartner in deutscher Sprache bereitzustellen, wird sich das vielleicht ändern. Ich trage jedenfalls schonmal dazu bei 🙂

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Schritt gehen soll. Es ist doch ein ziemlicher Sprung von Wicca und dem modernen Hexentum zum Druidentum des ADF. Auch wenn es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt, sind die Unterschiede nicht unerheblich.

Der Ansatz von ADF ist zum Beispiel strikt polytheistisch. Ich habe bisher eher eine „pseudo-polytheistische“ Meinung vertreten, die schön abstrakt und dadurch schön gesellschaftsfähig war: Alle Götter dieser Welt sind in Wahrheit Facetten einer großen Gottheit/ einer Kraft/ eines schöpferischen Prinzips. Dieses Prinzip ist unserem menschlichen Verstand aber zu hoch, weshalb er es in Teilaspekte zerlegt, die er erfassen kann. Mit anderen Worten: Jede Religion die es je gab, gibt und geben wird, verehrt in Wirklichkeit die selbe höhere Macht. Interessanterweise würde so ziemlich jede Religion dieser Aussage widersprechen 😉 Und ADF vertritt ganz klar die Anschauung: Götter sind eigenständige Wesenheiten mit charakteristischen Eigenschaften, mit Stärken und Schwächen und persönlichen Zielen. Je mehr ich über diese Denkweise lese, desto sympathischer wird sie mir.

Noch etwas, das für eine „freifliegende Hexe“ wie mich und auch für das moderne Heidentum insgesamt ungewöhnlich ist:  Die Liturgie ist bei ADF relativ genau vorgegeben. Rituale haben einen klaren Grundaufbau, der je nach Anlass mit verschiedenen Inhalten gefüllt werden kann. Man fliegt natürlich nicht aus der Organisation, wenn man im Privaten von den Vorgaben abweicht. Aber es wird gebeten, abweichende öffentliche Rituale nicht als ADF-Rituale zu bezeichnen. – So wie man mich in der Kirche auch bitten würde, beim Gottesdienst keine heidnischen Kreistänze einzubauen 😉

Besonders gut gefällt mir, dass viel Wert auf eine intensive, fundierte Auseinandersetzung mit alten Kulturen (ADF beschränkt sich auf den indo-europäischen Kulturkreis) gelegt wird. Man möchte herausfinden, wie die Menschen damals tatsächlich gelebt und geglaubt haben, statt romantischem Esoterik-Kitsch nachzuhängen. Gleichzeitig ist man sich bewusst, dass der Versuch einer Wiederbelebung zum Beispiel der keltischen Lebensweise in unserer modernen Welt unrealistisch wäre. Für mich ist das eine angenehme Abwechslung zu vielen „Lehren“ des modernen Hexentums, wie beispielsweise der Theorie, dass die Menschen des Neolithikums eine große Muttergöttin verehrt haben. Oder dass Wicca eine überlebende vorchristliche Religion darstellt (wird zum Glück heutzutage kaum noch verbreitet). Oder dass Reiki, Totemtiere und Schwitzhüttenzeremonien zum traditionellen Repertoire europäischer Hexen gehören.

Umstellen muss ich mich auch in Bezug auf die 4-Elemente-Lehre, die es beim ADF nicht gibt. Und ebenfalls neu für mich wird das Einbeziehen von Ahnen und Naturgeistern zusätzlich zu den Göttern sein.

Ich werde sicher eine Weile brauchen, um herauszufinden, ob ich mit diesem völlig anderen System arbeiten kann und ob es für mich mehr Sinn macht. Aber ich freue mich sehr darauf, es damit zu probieren. ADF bietet ein Programm für den Einstieg an, den Dedicant Path, das für die Dauer von mindestens einem Jahr ausgelegt ist, aber beliebig lang gedehnt werden kann. Hauptsache am Ende hat man jedes Jahreskreisfest ein Mal im ADF-Stil gefeiert, alle Fragen für den Abschlussbericht beantwortet und die nötigen Buchbesprechungen angefertigt. Dass es jetzt auch deutsche Mentoren gibt und ich den Bericht so in deutlich kürzerer Zeit schreiben kann, hat für mich den Ausschlag gegeben, mit dem Dedicant Path zu beginnen.

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