Sentimentalität zum nahenden Studiumsende

Ich ertappe mich in letzter Zeit immer öfter dabei, wie ich aus dem Fenster meines Wohnheimzimmers schaue und verstohlen vor mich hin schniefe, alte Fotos ausgrabe und Lieder wie dieses hoch und runter höre:

Dabei werde ich mein Studium frühstens im Oktober abschließen – und selbst dann ist noch nicht sicher, ob ich überhaupt aus Halle weggehe. Aber trotzdem merke ich, wie es rings um mich herum bröselt und bröckelt. Eine Menge von dem, was das Studium ausgemacht hat, löst sich auf. Von vielen Freunden und lockeren Bekanntschaften – eine zeitlang zusammengeschweißt durch gemeinsame Vorlesungen, Seminare, Prüfungen und Praktika – bleiben immer weniger übrig seit jeder eigene Wege geht. Neulich ist schon einer weggezogen, um anderswo einen Job anzunehmen. Richtig gute Freunde habe ich in Halle jetzt noch zwei. Und selbst da kommt langsam der Gedanke auf: Was, wenn ich mal wegziehe? Werden wir den Kontakt halten können?
Dann die Sportkurse. Vier Jahre lang habe ich Musicaltanz belegt. Davor habe ich tanzen gehasst, in Clubs immer unglücklich am Rand gesessen. Aber mit diesem Kurs konnte ich mir selbst beweisen, dass ich tanzen KANN. Von da an bin ich auch hin und wieder mit in Clubs gegangen. Leider war die Begeisterung nach acht Semestern dann doch aufgebraucht. Vor ein paar Wochen habe ich mich von Musicaltanz verabschiedet.
Und jetzt auch noch Gesellschaftstanz. Ich blicke auf sieben Semester Kurszeit und drei verschiedene Tanzpartner zurück. Mein aktueller Partner hat mir heute gesagt, dass er leider keine Zeit mehr für den Kurs findet. Noch vor einem Jahr hätte ich mir sofort einen neuen Partner gesucht – totunglücklich über jede verlorene Tanzstunde. Aber jetzt ist das irgendwie auch nicht mehr wichtig. Es wäre sowieso das letzte Semester gewesen. Also gibt’s nächste Woche noch eine Abschiedsrunde und dann war’s das fürs erste mit Gesellschaftstanz.

Manchmal wird einem auch erst klar, was man hat, wenn es sich seinem Ende zuneigt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein.

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