Hexenhaus – Von Träumen und Tatsachen

Bei der Planung eines Hauses besteht die Herausforderung vor allem darin, zwei Welten in Einklang zu bringen: die der Wunschvorstellungen und die der Tatsachen. Das ist keine leichte Aufgabe. Enttäuschung bleiben nicht aus. Zwar sind mein Mann und ich eher pragmatisch und die Kluft zwischen den beiden Welten war nicht allzu gewaltig, aber trotzdem mussten wir uns von einigen Dingen verabschieden, die wir eigentlich für bescheidene, unproblematische Wünsche gehalten hatten.

Es fing mit dem Thema Keller an. Wir wollten unbedingt einen, hatten wir doch längst gemerkt, wie wichtig ausreichend Stauraum und wie praktisch ein kühles Plätzchen für Lebensmittel ist. Dann der erste Dämpfer: Ein Keller kostet gewaltig Aufpreis – weit im fünfstelligen Bereich. Noch dazu ist der Boden unseres Baulandes sehr nass, mit drückendem Grundwasser – also noch mehr Aufpreis für einen wasserundurchlässigen Betonkeller. Auch das Auspumpen der Baugrube müssten wir – natürlich – selbst zahlen.
Wir überlegten trotzdem nicht lange, schluckten die Kröte und planten weiter an unserem Häuschen: Ein Balkon mit Dachüberstand, Garage, Gaube im Dachgeschoss, etwas mehr Fenster als im Standard der Baufirma vorgesehen, ein Schornstein für einen eventuell später geplanten Kamin, Erdwärmeheizung mit Tiefenbohrung.

Wir ließen uns das erste Angebot vorlegen und warfen einen Blick auf den Hauspreis. Klang ganz gut, realistisch und finanzierbar. Aber dann kamen die Baunebenkosten und ein paar andere bisher ignorierte Extras obendrauf: Grunderwerbssteuer (nicht nur aufs Grundstück, sondern wegen der Bauträgerbindung aufs Gesamtprojekt), Erschließung, Notar- und Gerichtskosten, Bodengutachten,… Am Ende stand da eine Zahl mit einer 4 vorn und uns wurde klar, dass wir auf ein paar Träume würden verzichten müssen.

Die Gaube und die Garage fielen dem Rotstift zuerst zum Opfer. Würden die Autos eben erstmal draußen stehen. Auch auf den Schornstein verzichteten wir schnell. Bei den Fenstern gingen wir keine Kompromisse ein – wir wollten nicht am Licht sparen. Auch vom Balkon konnte mein Mann sich zunächst nicht trennen, aber letztendlich musste sogar der weichen. Nur der Keller blieb als kleiner Luxus – davon konnte uns kein Architekt und kein drückendes Grundwasser abbringen. Dann noch ein halber Meter weniger Hausbreite… Es blieb ein quadratisches, praktisches Häuschen, leider ohne äußerliche Besonderheiten, dafür bezahlbar.

Damit waren leider noch nicht alle Probleme aus dem Weg geräumt. Der Kniestock von 1,40 m, den wir uns gewünscht hatten, war nicht möglich. Warum? Ganz einfach: Ab einem bestimmten Verhältnis von Wohnfläche Erdgeschoss zu Wohnfläche Dachhgeschoss gilt ein Haus als zweigeschossig – und das war auf unserem Grundstück schlichtweg nicht erlaubt. Also doch nur 1,15m Kniestock.

Dann kam das Thema Traufhöhe. Erlaubt waren 4,50 m, gemessen am bestehenden Gelände vor Beginn des Baus. Man versicherte uns, dass es da absolut keine Probleme geben würde, ja dass wir sogar noch Luft nach oben hätten. Wir hofften deshalb, dass wir den Keller noch ein wenig aus dem Boden würden heraushheben können, um mehr Licht in die Räume zu bekommen. Die Detailplanung der Architektin zeigte jedoch, dass unser Haus sogar 15 cm zu hoch stand, selbst wenn wir den Keller komplett eingruben. Die Lösung bestand darin, entweder den Kniestock noch weiter abzusenken oder das Haus einen Meter nach Süden zu verschieben. Wir entschieden uns zähneknirschend für letzteres. Noch weniger Südgarten, toll…

Und dann war da noch das Grundwasser. An einem Kellerfenster hatten wir einen Lichthof statt eines Betonschachts geplant, doch der lag leider zu tief für den gemessenen Grundwasserpegel. Unser schönes großes Fenster musste also zwei kleineren weichen, die sich hinter hässlichen Schächten verstecken würden. Und diese Schächte mussten auch noch über eine Pumpe entwässert werden, weil das Niveau des Regenwasserschachts in der Straße zu hoch (oder der Weg dorthin zu weit) war, um mit einem passiven Gefälle zu arbeiten.
Dieses Thema ist jetzt noch nicht ganz geklärt. Wir denken darüber nach, die Fenster sehr schmal und direkt unter der Kellerdecke, dafür möglichst lang zu gestalten und dann vielleicht doch einen Lichthof mit passiver Entwässerung anlegen zu können. Das nächste Gespräch mit der Architektin wird hoffentlich zeigen, ob das möglich (und bezahlbar) ist.

Ja, so ist das mit dem Hausbau. Man produziert jede Menge Traumblasen und muss dann zuschauen, wie eine nach der anderen platzt und nur wenige übrig bleiben. Aber das Wichtigste ist, dass die größten Träume dieses Projekts erhalten bleiben: ein eigenes Haus und ein bisschen Land drumherum, eine schöne Gegend und eine zufriedene Familie.

Hexenhaus – Grundstückssuche

Nun ist es schon eine ganze Weile her, dass ich die neue Kategorie „Hexenhaus“ angekündigt habe. So langsam sollte ich auch mal was dazu schreiben. Die Dinge entwickeln sich zwar langsamer, als uns lieb ist, aber wir sind inzwischen doch auf einem guten Weg zum baldigen Baubeginn.

Die erste Hürde auf dem Weg zum eigenen Haus war natürlich die Grundstückssuche und unvermeidbar dabei die Begegnung mit verschiedenen Exemplaren der Spezies „Makler“.
Der klischeekonforme Immobilienmakler ist männlich, 30-40 Jahre alt, dynamisches Auftreten, gepflegtes Äußeres, verspätet sich 5-10 Minuten und entsteigt vorzugsweise einem Auto der Marken BMW, Mercedes, Audi oder Porsche. Einer der wichtigsten Sätze in seinem Repertoire lautet: „An Ihrer Stelle würde ich mich schnell entscheiden; die Nachfrage ist hoch.“
Selbstverständlich begegneten wir im Laufe unserer Suche auch anderen Exemplaren: pünktlichen weiblichen, älteren männlichen, sogar unaufdringlichen. Aber den Satz mit der hohen Nachfrage hörten wir fast jedes Mal. Es stimmte ja auch: Gute, bezahlbare Grundstücke waren rar gesät und schnell vergriffen. Irgendwie suchten die meisten Interessenten das gleiche: Einen Bauplatz nahe der Stadt Dresden, natürlich im Grünen, aber nicht zu weit ab vom Schuss, ruhige Lage, nicht zu klein und nicht zu riesig, kein zu steiler Hang, keine Altlasten. Kurzum: Die eierlegende Wollmilchsau.
Anfangs hatten wir ja noch ein Grundstück „so richtig im Grünen“ gesucht: 1.000 Quadratmeter auf dem Land, am besten in völliger Stille, ein Wald oder See gleich nebenan. Diese Vorstellung korrigierten wir aber schnell, als wir merkten, dass wir – obwohl beide ländlich aufgewachsen – mittlerweile ziemliche Stadtmenschen geworden waren. Wir hatten uns so an öffentliche Verkehrsmittel, nahe Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Kultur, ausreichen Ärzte und die Gesellschaft von Menschen jeder Altersstufe gewöhnt, dass wir kleine, gar zu abgelegene Dörfer mit ihren alteingesessenen Bewohnern scheuten. Außerdem hatten wir keine Lust, die Kinder mehrmals pro Woche durch die Gegend zu kutschieren, weil der Bus nur wochentags jeweils einmal 8, 12 und 16 Uhr vorbeikam und die Freunde zwei Dörfer weiter wohnten.

Insgesamt dauerte unsere Suche zwei Jahre. Dann wurden eines Tages auf einem Immobilienportal mehrere Parzellen in einem hübschen kleinen Baugebiet angeboten. Die Lage war genau das, was wir uns vorgestellt hatten: Ruhig und dennoch gut angebunden, die Autobahn nur fünf Minuten entfernt, mehrere Busse in verschiedene Richtungen, der Kindergarten gleich nebenan, der zukünftige Arbeitsweg absolut im Rahmen und die Fahrzeit zu Oma und Opa kürzer als wir je zu hoffen gewagt hatten. Uns wurde klar, dass wir bei der aktuellen Marktlage kaum etwas Besseres finden würden.
Wir machten also einen Ausflug zu dem zukünftigen Baugebiet und schauten uns um. Es war eine fast vollkommen flache Wiese, eine Lücke in der bisherigen Bebauung, bewachsen nur von ein paar schönen alten Obstbäumen. Wir ließen unseren Blick über die Fläche schweifen und überlegten, wo wir uns unser Haus am besten vorstellen konnten. Ich zeigte spontan auf die allerhinterste Ecke, wo Carport und Hecke des Nachbarn schon eine gute Begrenzung bildeten und sagte: „Das da hinten sieht gemütlich aus. Wenn das Grundstück noch frei ist, schlagen wir zu.“
Und so war es.

So begann unser Projekt „Hexenhaus“

Musical Night meets Dinner

Musicalsongs live und dazu ein mehrgängiges Menü, das ist das Konzept von Musical Night meets Dinner. Die Show gastiert ein paar Mal im Jahr an verschiedenen Orten in Deutschland und präsentiert im kleinen Rahmen (als Location dienen Hotels und Restaurants) einen bunten Querschnitt durch die Welt der Musicals.

Sonst bin ich ja nicht so scharf auf solche Dinnershows. Die Karten sind mir meistens zu teuer, ich brauche auch kein vorgefertigtes 4-Gänge-Menü und bei aller Liebe zu Musicals will ich nicht immer die üblichen PhantomderOper-Elisabeth-Cats-Evita-Standardsongs vorgesetzt bekommen. (Wobei ich beim letzten Punkt kompromissbereit bin – je nachdem, wer sie mir vorsetzt 😉 )
Man ahnt es vielleicht schon: Es ist mal wieder meinem Lieblingssänger zu verdanken, dass ich meine Vorurteile über den Tellerrand geworfen habe – oder so ähnlich.

Der Kartenkauf war allerdings ein etwas langwieriges Unterfangen. Erstmal musste die Besetzung stimmen und die Location einigermaßen in Reichweite liegen. Wenn das alles passte, war dann entweder die Vorstelllung schon ausverkauft oder sie wurde wegen zu geringer Nachfrage abgesagt. Umso glücklicher war ich, als ich für vergangenen Freitag in Großenhain die letzten beiden Tickets ergattern konnte und noch glücklicher, als eine sehr gute, langjährige Freundin ziemlich spontan zusagte, mich zu begleiten.

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Die Show fand im Saal eines Restaurants statt, der insgesamt so um die hundert Gästen Platz bot. Als Dinner gab es ein 4-Gänge-Menü, serviert im Wechsel mit den Musical-Showblöcken. Vom Hocker gehauen hat das Essen mich nicht. Man muss aber fairerweise dazusagen, dass für das Menü die jeweilige Location verantwortlich ist und nicht das Team von Musical Night meets Dinner.

Während also der kulinarische Teil des Abends für mich nicht allzu viel mit Genuss zu tun hatte, sah das beim musikalischen Teil schon anders aus. Es waren natürlich viele obligatorische Klassiker dabei. Einige davon kann ich echt nicht mehr hören, von anderen kriege ich nie genug und bei manchen kommt es wie gesagt darauf an, wer sie singt 😉 Es gab aber durchaus auch eine gute Auswahl weniger abgenutzter Titel, etwa aus Sister Act, der Buddy Holly Story und Hairspray.
Das ganze Programm wird von drei Darstellern geschultert: Katja Wiesigkstrauch, die die Schow ins Leben gerufen hat, und zwei Sängern in wechselnder Besetzung. Alle drei hatten ganz schön zu tun, mussten sie sich doch zwischen den Songs immer wieder in rasantem Tempo umziehen und in die nächste Rolle schlüpfen. Noch dazu wechselte der Musikstil von rockig zu klassisch, von Klamauk zu Ernst, von ganz ruhigen Titeln zu den Partykrachern der Musicalwelt. Aber auch die Zuschauer mussten ab und zu ran, etwa wenn zur Überbrückung eines Kostümwechsels eine Runde Gesangsunterricht erteilt wurde.
Als Abschluss jedes Musikblocks war strategisch günstig ein Mitklatsch-Mitsing-Stimmungsmacher platziert, der das Publikum schwungvoll in die Pausen und den Schlussapplaus schickte.

Insgesamt war es ein schöner, lustiger Abend, vollgepackt bis obenhin mit Musical-… äh…. Musical- …. Irgendwie habe ich was gegen „Musicalhits“ und „Musicalmelodien“, das klingt so nach 5€-Best-of-CD …

Also vollgepackt bis obenhin mit Musical 😉

Willkommen 2017

2016 ist endlich überstanden – so oder so ähnlich höre ich es zur Zeit von vielen Menschen um mich herum. Auch mein letztes Jahr war recht anstrengend. Der Alltag mit Kind ließ wenig Raum für Entspannung und eigene Interessen, der Kleine und ich waren vor allem am Anfang des Jahres sehr oft krank und auch in meiner Familie gab es gesundheitlich einige Herausforderungen. Vieles davon hat sich aber zum Glück zum Positiven entwickelt, so dass 2016 für mich ganz versöhnlich endete.

2017 wird auf jeden Fall extrem spannend, denn wir wollen ein Haus bauen. Auf meinem Blog wird es dann die neue Kategorie „Hexenhaus“ geben, in der ich euch vom Fortschritt dieses Großprojektes berichte. Momentan muss noch sehr viel geplant werden, aber wir haben schon die Kreditzusage von der Bank. Mehr dazu in einem separaten Post.

Abgesehen vom Hausbau haben wir uns für 2017 (zwangsläufig) nicht viel vorgenommen. Es ist kein großer Urlaub geplant, Hobbies liegen auf Eis,… Es wird einiges liegen bleiben müssen, was man vielleicht gern gemacht hätte. Ich sage das jetzt so locker daher, aber ich weiß, dass es mich oft genug frustrieren wird. Die Harfe und die Bodhran werde ich wahrscheinlich noch seltener spielen als sowieso schon und von den ganzen zu lesenden Büchern fange ich gar nicht erst an. Der „Büchermonat“ wird wohl pausieren müssen.

Ich bin gespannt, was das neue Jahr für uns bereithält und hoffe vor allem auf gute Gesundheit und die eine oder andere ruhige Minute 🙂

Ein gesundes, fröhliches, erfolgreiches neues Jahr wünsche ich euch!

Büchermonate Oktober/November

Diesmal gibt es zwei Monate zusammen, weil sich der Beitrag sonst kaum gelohnt hätte. Im Oktober hat sich bei meinen Büchern fast nichts getan – weder beim Lesen noch bei den Neuzugängen. Im November war wieder etwas mehr los, aber seht selbst.


Neuzugänge

Kakuzo Okakura – Das Buch vom Teedas-buch-vom-tee
Dieses kleine, 1906 erstmals erschienene Büchlein widmet sich auf poetische Art der japanischen Kultur und der Kunst der Teezeremonie. Im Herbst und Winter mutiere ich immer zum Teetrinker, da fand ich das Buch eine schöne Ergänzung. Es passt auch gut zu dem Tee-Adventskalender, den ich dieses Jahr als „vorgezogenen Nikolaus“ bekommen habe: einen handverpackten aus der kleinen Teehandlung in der Dresdner Neustadt.


Jean-Luc Bannalec – Bretonisches Goldbretonisches-gold

Der dritte Fall für Komissar Dupin. Nachdem ich im August „Bretonische Verhältnisse“ und im September „Bretonische Brandung“ gelesen habe, wartet jetzt der nächste Teil der Reihe in meinem Regal darauf, gelesen zu werden. (Besser gesagt: Ich bin schon mittendrin. :-))

 

Duke Meyer – Das Lied der Eibedas-lied-der-eibe
Den Autor dieses Buches kennt man wahrscheinlich am ehesten durch seine Band „Die Singvøgel“ oder durch seine Seite „Eibensang“, einer kreativen Mischung aus Blog, Eigenmarketing und wissenswertem Allerlei rund um nordisches Heidentum, Runen und Asatru. Nun hat er ein Buch zum Thema Runen geschrieben, und da ich seine etwas unkonventionelle, chaotisch-kreative Herangehensweise ganz gern mag, habe ich es mir zugelegt. Ich habe schon von mehreren Seiten gehört, dass es ziemlich gut sein soll und bin sehr gespannt.


Klaus Düwel – Runenkunderunenkunde

Als Ergänzung zum obigen Werk habe ich mir noch ein wenig Fachliteratur gegönnt. Um Klaus Düwels „Runenkunde“ bin ich sowieso schon länger herumgeschlichten. Zwar dürfte das Buch, da es 2008 zuletzt aktualisiert wurde, nicht hundertprozentig auf dem aktuellen Stand sein, aber sicher reicht es völlig als solide Grundlage.

 

Neil Gaiman – Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgardder_laechelnde_odd
Bei diesem Buch handelt es sich um eine Erzählung für Kinder, aber das hat mich nicht davon abgehalten, es gleich am Tag des Einkaufs in einem Rutsch durchzulesen (siehe unten).

 

 


Gelesen

Maarten’t Hart – Das Wüten der ganzen Weltdas-wuten-der-ganzen-welt
Die Hauptfigur dieses Buches wächst Mitte der fünfziger Jahre als Sohn eines Lumpenhändlers in einer holländischen Fischerstadt auf. Als zwölfjähriges Kind wird er Zeuge eines Mordes, was ihn den Rest der Geschichte bis weit ins Erwachsenenalter verfolgt, denn er will – aus dem Gefühlh heraus, erst dann Ruhe finden zu können – den Vorfall selbst aufklären. Dennoch ist die Erzählung kein klassicher Krimi und schon gar kein Psychothriller. Vielmehr ist sie eine Rückschau auf die Kindheit des Protagonisten, auf seine Bekanntschaften, sein Erwachsenwerden, seine Liebe zur Musik – und eben auf seine immer wiederkehrende Beschäftigung mit dem Mord, der vor so vielen Jahren geschah. Das alles verpackt der Autor in schnörkellose, klare Worte, die einen irgendwie immer weiter lesen lassen.


Samuel Benchetrit – Rimbaud und die Dinge des HerzensRimbaud_und_die_Dinge_des_Herzens

Charlys Mutter wurde von der Polizei abgeholt. Nun wandert er auf der Suche nach ihr einen Tag lang durch seinen Wohnort, eine Pariser Hochhaussiedlung. Dabei erzählt er dem Leser aus seinem Leben: von seinem drogenabhängigen Bruder und seiner hart arbeitenden, immer hinter ihren Kindern stehenden Mutter, von der Schule, seinen Freunden und von dem Mädchen, in das er verliebt ist. Er hängt seinen Gedanken nach, philosophiert, scherzt, sorgt sich, schöpft wieder Hoffnung,… Man schließt ihn im Laufe der Geschichte einfach ins Herz und möchte am Ende nur noch wissen: Was ist denn nun mit Charlys Mutter? Wird er sie wiedersehen?


Alfred Andersch – Sansibar oder der letzte GrundSansibar oder der letzte Grund.jpg

Im Herbst 1937 treffen in Rerik mehrere Personen aufeinander, die eins gemeinsam haben: Sie wollen weg aus Deutschland. Da wären eine Jüdin, ein Pfarrer, ein Parteifunktionär (alle drei auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, hier nur „die Anderen“ genannt), ein Fischer, sein Schiffsjunge und eine Skulptur, die von den Anderen aus dem Verkehr gezogen werden soll.
Das kleine Büchlein ist schnell gelesen. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der verschiedenen Protagonisten erzählt, wobei ihre Ängste und Hoffnungen sehr nachfühlbar werden. Eine nicht unbedeutende Rolle bei der Enstehung des Buches dürften die persönlichen Erlebnisse des Autors gespielt haben, denn er war Mitglied der KPD und wurde von den Nationalsozialisten verhaftet und verhört, diente im Zweiten Weltkrieg, desertierte 1944 und war Kriegsgefangener in den USA, bevor er 1945 nach Deutschland zurückkehrte.


Neil Gaiman – Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgardder_laechelnde_odd

Der Wikingerjunge Odd war schon immer ein kleiner Sonderling – erst recht seit dem Tod seines Vaters. Immer trägt er ein nervtötendes Lächeln zur Schau und lässt niemanden wissen, wie es wirklich in ihm aussieht.
Eines Tages – während eines Winters, der einfach kein Ende nehmen will – begegnen ihm im Wald ein Adler, ein Bär und ein Fuchs. Die drei gehören eigentlich gar nicht in diese Welt, denn sie sind Götter Asgards – keine geringeren als Odin, Thor und Loki persönlich. Und sie haben ein gewaltiges Problem, denn Asgard wurde von einem Eisriesen eingenommen. Also macht Odd sich auf, den Riesen zu vertreiben, damit es in der Welt der Menschen wieder Frühling werden kann.
Ich fand das Buch sehr niedlich. Odd ist mir gleich ans Herz gewachsen und die Charaktere der Götter fand ich ziemlich treffend beschrieben (jedenfalls stelle ich sie mir so ähnlich vor). Besonders Lokis Ambivalenz wird wunderbar deutlich. Die Zeichnungen auf einzelnen Seiten ergänzen die Geschichte sehr schön – davon hätte ich mir mehr gewünscht!
Manche Leser bemängeln die fehlende Spannung und kritisieren, dass Odd seine Aufgabe viel zu problemlos löst, aber da muss man vielleicht nochmal betonen, dass es sich um ein Kinderbuch handelt. Und gerade auf dem Gebiet des Heidentums ist es wirklich schwer, so ein gut erzähltes, nicht vor Licht und Liebe schier überlaufendes Buch zu finden!

Scarlet Pimpernel – Oper Chemnitz

Letzten Samstag war ich im Opernhaus Chemnitz bei dem Musical Scarlet Pimpernel (hier: Das scharlachrote Siegel). Ich kenne das Stück schon aus Halle, wo es seine deutsche Erstaufführung hatte und großartig besetzt war. Chris Murray spielte damals den Bösewicht und avancierte mit seiner kraftvollen, dunklen Stimme schnell zu einem meiner Lieblingssänger.

Scarlet Pimpernel basiert auf dem gleichnamigen Roman von Baroness Emma Orczy und wurde von Frank Wildhorn (komponierte auch Jekyll & Hyde) und Nan Knighton als Musical adaptiert. Es spielt in England und Frankreich zur Zeit der Französischen Revolution. Der englische Adlige Sir Percival Blakeney verliebt sich in Paris in die Künstlerin Marguerite St. Just und heiratet sie schon nach wenigen Wochen. Sie begleitet ihn zurück nach England, doch das Glück der beiden wird bald getrübt. Percy erfährt, dass seine Frau einen französischen Adligen an die Guillotine ausgeliefert hat und verliert das Vertrauen in sie. Er beschließt, ab jetzt ein Doppelleben zu führen und in Frankreich unter dem Siegel der scharlachroten Pimpernelle möglichst viele Adlige vor der Hinrichtung zu retten. Um jeglichen Verdacht im Keim zu ersticken, legt er sich in England das Image eines modeverrückten, naiven Schnösels zu. Sein größter Gegenspieler ist Bürger Chauvelin, der fanatisch Jagd auf den Scarlet Pimpernel macht und gleichzeitg versucht, Marguerite zurückzugewinnen, mit der er einst eine kurze Liaison hatte.

Die Inszenierung am Opernhaus Chemnitz fand ich sehr gelungen. Das Stück ist witzig, flott, manchmal klamaukig und an keiner Stelle langatmig. Auf eine große Portion Kitsch muss man sich einstellen. (Chemnitz hat meiner Meinung nach im Vergleich zu Halle noch eine Schippe Kitsch draufgelegt.) In jedem Fall bietet das Musical eine eingängige Melodie nach der anderen. Wer hier nicht mit mindestens einem Ohrwurm nach Hause geht, ist selber schuld.

Die Besetzung hat mir sehr gut gefallen. Bis in die Nebenrollen hinein waren die Figuren glaubwürdig und stimmlich solide. Besonders der Darsteller von Percy, Veit Schäfermeier, hat mich schwer beeindruckt. Zwar hat er mich stimmlich nicht weiter überrascht (eine helle, junge Musicalstimme – in den Balladen sanft und ausgesprochen angenehm zu hören, für den Wow-Effekt fehlte mir allerdings das gewisse Etwas), doch seine Präsenz auf der Bühne war der Wahnsinn. Er spielt unheimlich sympathisch, glaubwürdig und steht völlig mühelos im Mittelpunkt. Es macht extrem Spaß ihm zuzuschauen, seine Energie reißt einen mit. Neben seiner eigenen Partie schien er ganz nebenbei auch die aller anderen im Blick zu haben und überhaupt schien er die gesamte Aufführung von Szene zu Szene zu tragen. Ganz zu schweigen von seinem komödiantischen Talent – da saß einfach jede Pointe.

Marguerite (Stefanie Köhm) war ebenfalls sehr gut gespielt und wunderbar gesungen. Da gibts absolut nichts zu meckern. Man kauft ihr die Rolle hundertprozentig ab und hört ihr gern zu.

Von Alexander Franzen als Chauvelin war ich nicht so restlos begeistert. Er hat zwar eine sehr passende, knurrig-raue Stimme und spielt recht überzeugend, wirkte jedoch gesanglich immer etwas bemüht. Hatte er keinen guten Tag? In den Kritiken wird er sonst sehr gelobt! Ich fand leider, dass er trotz (oder gerade wegen?) seines vielen Herumtigerns und der großen Gestik die Bühne nie ganz ausfüllen konnte – besonders im ersten Teil. Nach der Pause wurde es etwas besser. Auch sein Timing beim Singen gefiel mir nicht so recht. Hätte er öfter auf den Dirigenten schauen müssen oder zählte das unter „künstlerische Freiheit“? Ich weiß es nicht, aber ich fand es irritierend. Im Zusammenspiel mit Schäfermeier wiederum – in den rasanten Dialogen und Fechtszenen – klappte alles auf den Punkt. Die beiden haben schon in Bielefeld gemeinsam auf der Bühne gestanden und bilden auch diesmal ein gutes Team.

Insgesamt ein sehr sehenswertes Musical. Ich werde es mir wenn möglich noch einmal anschauen – mindestens 😉

Kuchen-Desaster

Was kommt heraus, wenn man eben noch schnell einen Kuchen backen will, damit der Sohn an seinem morgigen zweiten Geburtstag etwas mit in die Kita bringen kann?

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Ein flaches Brett mit Äpfeln drauf, durch die Applikation von Puderzucker kaum zu retten…

Im Ofen bäckt jetzt gerade ein Banenen-Kastenkuchen, den ich schon einmal gemacht habe und ich hoffe sehr, dass der etwas appetitlicher wird. Das Brett werde ich mit auf Arbeit nehmen. Es schmeckt trotzdem… irgendwie. Und meine gefräßigen Kollegen essen so ziemlich alles 😉